Nutzung von Apps auf Smartphones

Prof. Dr. Matthias Böhmer (Bild: privat)

Prof. Dr. Matthias Böhmer ist mit dem Impact Award der Konferenz MobileHCI ausgezeichnet worden, die als die renommierteste Konferenz auf dem Gebiet der mobilen Mensch-Computer-Interaktion gilt.

Den Preis erhielt er zusammen mit vier Co-Autoren für das in der 20-jährigen Geschichte der MobileHCI am meisten zitierte Paper. Worum geht es bei „Falling asleep with Angry Birds, Facebook and Kindle: a large scale study on mobile application usage”?

Worum geht es in Ihrer Studie zusammengefasst?
Das Paper präsentiert eine erste und groß angelegte Studie zur Nutzung von Apps auf Smartphones. Wir haben damals grundlegend untersucht, wie Apps verwendet werden hinsichtlich Nutzungsdauer, Tageszeit, App-Abfolgen und Kontextinformationen wie den Standort. Wir haben beispielsweise herausgefunden, dass bestimmte Apps zu bestimmten Tageszeiten verstärkt genutzt werden, beispielsweise News-Apps am Morgen und Sport-Apps am späteren Nachmittag.

Das Paper wurde 2011 veröffentlicht. Welche Ergebnisse sind daraus noch aktuell?
Die grundlegenden Ergebnisse sind sicherlich noch gleich. Apps werden in der Nacht im Schnitt pro Start heute sicherlich immer noch länger verwendet als tagsüber und bestimmte Funktionalitäten werden sicherlich auch noch zu bestimmten Zeiten für bestimmte Aufgaben genutzt. Die Gesamtzeit der Smartphonenutzung ist vielleicht gestiegen – damals lag sie bei knapp einer Stunde im Schnitt pro Tag. Es gibt mittlerweile auch weitere Arbeiten, die auf diesen Grundlagen aufbauen und diese weiter nutzen. Neben den Erkenntnissen war unsere Arbeit damals zudem eine der ersten, die in der Community eine neue Forschungsmethode eingeführt hat. Wir nannten das "Research through the App Store". Die Idee war, dass wir zur App-Nutzung keine Studie in einem Labor machen wollten, sondern App-Nutzung im echten Kontext und auf einer großen Benutzerbasis studieren wollten. Wir haben damals über 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für unsere Studie gewinnen können.

Arbeiten Sie aktuell weiter an dieser Forschungsfrage?
Ja, das Thema ist immer noch sehr aktuell. Es gibt viele Themen rund um das Smartphone, die wissenschaftlich noch nicht untersucht sind. Aktuell schauen wir uns am Campus Gummersbach im Labor für mobile und verteile IT (moxd lab) an, wie wir als Nutzer mit mobiler Information umgehen. Beispielsweise wie oft wir  Informationen sehen, die wir bereits kennen. Beim Browsen in sozialen Netzen und Newsfeeds sind viele Infos redundant und wir sehen uns diese mehrmals am Tag an. Wir haben gerade eine erste Studie dazu auf der NordiCHI präsentiert.

Haben Sie über die Jahre auch direktes Feedback aus der Community zum Paper bekommen?
Man trifft ja auf Konferenz immer wieder andere Wissenschaftler, die das Papier kennen, darauf aufbauen und eigene Forschung daran anknüpfen. Es sind auch ein paar gute Kollaborationen daraus entstanden. Es kommen nach wie vor Anfragen nach den Daten der Studie für andere Auswertungen, beispielsweise zum Machine Learning. Mittlerweile gibt es aber aktuellere und bessere Datensätze. Unseren Source Code haben wir inzwischen als Open Source zur Verfügung gestellt. Damit haben wir auch bereits einen namhaften Produzenten von Smartphones für dessen interne Studien unterstützt.

Woraus besteht der Award, Ruhm und Ehre?
Für mich ist der Award eine Bestätigung der Relevanz des Papers. Das Papier wurde mittlerweile über 520 mal zitiert. Die MobileHCI ist die renommierteste Konferenz im Bereich mobiler Mensch-Maschine-Interaktion und ich bin schon stolz auf diese Anerkennung. Ich habe natürlich mitbekommen, wie häufig das Papier über die Jahre zitiert wurde, aber dass die Community das nochmal auszeichnet, freut mich natürlich sehr.

Falling Asleep with Angry Birds, Facebook and Kindle

Matthias Böhmer, Brent Hecht, Johannes Schöning, Antonio Krüger, Gernot Bauer: Falling Asleep with Angry Birds, Facebook and Kindle – A Large Scale Study on Mobile Application Usage. In: Proceedings of Mobile HCI 2011. Stockholm 2011, Sweden

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